Klettern und Wandern am Gardasee und in den Dolomiten

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      Rhythmus und Sicherheit

Die Sicherheit ist für den Kletterer wohl der wichtigste Faktor. Ist die Sicherheit oder das sich sicher Fühlen nicht gegeben, kann man eine Klettertour auch nicht richtig erleben. Wenn die Klettertour von Ängsten und Unsicherheit begleichtet ist, leidet das Erlebnis darunter. Man kann nun die Sicherheit von zwei Seiten betrachten. Das ist einmal die Sicherheit, die wir durch äußere Faktoren erreichen. Das betrifft die Ausrüstung, das Seil, den Klettergurt, vor allem auch die Sicherungspunkte und deren Verlässlichkeit und Abstand. Auch die Felsqualität spielt eine Rolle. In brüchigem Fels wird man sich nicht so sicher fühlen als in festem Gestein. Eine zweite Form der Sicherheit entsteht durch die Beziehung, die wir zum Berg, zur Wand und zur Kletterroute haben und den daraus entstehenden Rhythmus.

Es ist jetzt schon fast 40 Jahre her, als ich Heinz Grill kennenlernte. Wir waren beide Mitglied des Kletterclubs Berggeier in Rosenheim und sind  zusammen viele der damals schwersten Routen im Wilden Kaiser, den Berchtesgadener Alpen, an der Lalidererwand und auch den Dolomiten geklettert. Schon damals, als wir uns kennenlernten, Heinz war gerade 16 Jahre alt, hatte er schon viele schwierige Routen als Alleingänger durchstiegen. z.B. die Dülferführe der Totenkirchl Westwand.

Ich fragte Heinz damals, ob er keine Angst kenne und ob er sich immer sicher fühle. Er antwortete, dass er auch die Angst kenne. Sie kommt dann, wenn er keinen Rhythmus findet. Dies kommt immer wieder vor und dann geht er wieder zurück. Was ist dieser Rhythmus? Wie entsteht er?

So mancher Kletterer wird schon einmal diese zwei ganz gegenteilige Erfahrungen gemacht haben. Einmal  fliessen die Bewegungen wie von selbst, die Griffe und Tritte sind genau dort, wo man sie erwartet. Ebenso ist der Sicherungshaken an der genau richtigen Stelle, man hat immer den passenden Friend oder Klemmkeil zur Hand, es gibt keine Seilreibung und auch die Orientierung bereitet keine Probleme. Die Kletterei kommt einem richtig entgegen. Und das andere mal sind die Kletterbewegungen  schwer, unsicher und ängstlich. Man findet nicht den passenden Klemmkeil oder Friend und wenn es zwei Möglichkeiten für den Weiterweg gibt, entscheidet man sich für den falschen. Das eine Mal fühlt man sich sicher, es läuft wie von selbst, das andere Mal  klettert man zittrig und unsicher. Diese erste Erlebnsform, des leichten, sicheren und elganten Kletterns, würde ich als rhythmisches Klettern verstehen. Man fühlt sich auch näher in Beziehung zur Natur, zum Fels, zum Berg und dem Kletterpartner.

Diese unterschiedlichen Erlebnisse kennt man. Aber wie entstehen sie? Ist es reiner Zufall oder beruhen sie auf einem bestimmten Zusammenhang? Wir hatten einmal geplant die Westwand des Totenkirchls im Wilden Kaiser zu klettern. Ich kannte die Route schon von mehreren Begehungen und der Schwierigkeitsgrad war nicht zu hoch und wir dachten etwas überheblich die Tour ganz locker und schnell durchzusteigen. Die Linienführung erforderte aber eine gute Orientierung. Ich glaubte die Route gut in Erinnerung zu haben. Das war aber nicht so und bald waren wir in der Not, dass wir den entscheidenden Quergang nicht fanden und über eine Stunde suchten. Ähnlich wie bei der Angst, findet man in der Überheblichkeit nicht die nötige Beziehung und Wahrnehmung zum Fels.

Das Gegenteil wäre die respektvolle und achtsame Annäherung. Der sogenannte Woll-woll ein nach außen offenen Kamin mit schlechter Absicherung in der Buhlführe an der Maukspitze hatte mich bei einer Begehung die größte Mühe und viel Angstschweiß gekostet. Mit Respekt, großer Aufmerksamkeit und einer gewissen Furchtsamkeit stieg ich dann Jahre später noch einmal durch diesen Kamin. Diesmal sicher und ohne große Mühe.

Es ist für einen rhythmischen und sicheren Kletterstil sehr entscheidend, mit welchem Motiv, mit welcher Einstellung man sich an die Klettertour oder an den Berg annähert. Hochmut, Überheblichkeit, aber auch die Angst verhindern eine objektive Wahrnehmung zu den äußeren Gegebenheiten. Man sieht die Griffe und Tritte nicht mehr. Wenn man sich dagegen gut vorbereitet und einstellt auf das, was einem erwartet in der Tour, so dass ein möglichst objektives Bild davon entsteht, wird man aufmerksamer und respektvoller in die Tour einsteigen.

Man kann sich selbst auch einmal beobachten, wie diese Gedanken des Respektes, der Ehrfurcht auf der einen Seite und der Überheblichkeit auf der anderen Seite sich in einer Klettertour einstellen und abwechseln. Geht es gerade flüssig und leicht dahin, wird man schnell übermütig und ist gedanklich schon am Gipfel angelangt. Unerwartete Hindernisse fordern dann wieder den Respekt und die Achtsamkeit ein.

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Spiz di Lagunaz: Via La Collaborazione
 Das große Dach

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Spiz di Lagunaz: Via La Collaborazione, 900 m VI+/A1

Obwohl wir beim Bivak in der Nacht kaum geschlafen hatten, fühlten wir uns am nächsten Tag in guter Kondition und gut verbunden im Miteinander und mit der Umgebung. Die Kletterei ging leicht und dynamisch. Intuitiv fanden wir die ideale Linie. Diese Verbundenheit war wohl möglich, da wir uns schon einen Tag gemeinsam auf der Suche nach der besten Linie und der Überwindung der Schwierigkeiten, mit der Wand auseinandersetzten.